Gromobir in Tansania

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Abschied

git | 13 Juli, 2009 14:26

Rein ins Flugzeug, 13 Monate Land und Leute kennenlernen und einer sinnvollen Arbeit nachgehen, danach wieder rein ins Flugzeug um wie gehabt in Deutschland weiterzuleben. So in etwa hatte ich mir das wohl vor einiger Zeit gedacht...

Ganz so einfach ist es dann jedoch leider doch nicht, da man sich in mehr als einem Jahr durchaus so sehr an Land und Leute gewöhnen kann, dass man ruhig noch ein Jahr anhängen könnte. Doch leider geht das (vorerst) aus verschiedenen Gründen nicht und so muss ich mich von einigen Dingen, wie zum Beispiel vom tagtäglichen Kampf mit dem Nachbarslöwen um ihm mit der Machete mein wohlverdientes Mittagsbutterbrot abzuringen, verabschieden.
In den nächsten Jahren wird mein privater Helikopter, der mich Tag für Tag sicher über den gefährlichen und undurchdringlichen Dschungel bis an meine Arbeitsstelle brachte genau so auf mich warten müssen wie der allradgetriebene Safari-Jepp, der immer dann gute Dienste geleistet hat wenn es einmal raus aus der Wildnis zur nächsten Stadt ging, die jedoch lediglich über einen matschigen Dschungelpfad nach tagelanger Reise zu erreichen war. Selbstverständlich werde ich unseren Nachfolgern auch gerne unser Spezialzelt mit integriertem "ElefantoEX" (einem von der US Army entwickeltem Elektronik-Piepser, der die lästigen Riesen zumindest des Nachts auf Abstand hält) überlassen, das wir ein Jahr lang erfolgreich bewohnt und in dieser Zeit ständig mit neuen Features ausgestattet haben.

Doch warum schreibe ich das alles hier nieder, wenn doch sicherlich ohnehin die Mehrheit meiner Leser die Wahrheit als plumpen Versuch meinerseits werten würde mit ausgelutschten Afrikaklischees lahme Witze zu reißen?

Die Antwort ist, dass Afrika (insbesondere Tansania) im Vergleich zu Europa (insbesondere Deutschland) einfach eine vollkommen andere Welt ist und so viele Dinge hier anders laufen. Ich weiß leider nicht mehr welches Bild man genau von Afrika hat, wenn man noch nie dort war, kann mich jedoch daran erinnern, dass es nicht in sehr vielen Details tatsächlich zugetroffen hätte. Um Tansania zu verstehen reichen selbst die schönsten 13 Monate nicht aus und echtes Verständnis als gebürtiger Europäer zu entwickeln ist wahrscheinlich auch gar nicht möglich, was wohl auch genau der Grund ist, der viele Entwicklungsprojekte über Jahrzehnte hinweg fehlschlagen ließ.
Und so darf ich nun wieder in ein Land zurück reisen, das mir zwar eine gute Ausbildung, einen gut bezahlten Arbeitsplatz, funktionierende Krankenkassen und Versicherungen, luxuriöse Straßen, glaumouröse Sitztoiletten mit funktionierenden Klospülungen, Breitbandinternet, ein funktionierendes Mehrparteiensystem und eine stabile Landeswährung [Wer meint, das es anders wäre soll aufhören zu jammern und sich die Situation in Tansania mal anschauen!] aber eben nicht Afrika bieten kann. Und was "Afrika" wirklich bedeutet steht garantiert nicht in einem Voluntär-Blog geschrieben sondern muss von jedem, der es wirklich wissen will, einfach erfahren werden.

Kommentare

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Styx | 13.07.2009, 20:59

Du hast das Dutzend GNUs im (staubtrockenen) Vorgarten vergessen. ;-)

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Hans Peter | 18.07.2009, 12:19

Was Afrika bedeutet kann ich zwar auch nicht beschreiben, aber ich glaube ich kann ein kleines bischen mitfühlen wie schwer dein Abschied sein wird.
Obwohl ich schon viele Orte unseres Planeten bereist habe (Malediven,Amerika, Canada, Australien, Rotes Meer...) kann ich nur sagen: Nichts hat mich so nachhaltig beeindruckt wie die drei Wochen in Tansania, als du uns deine Wirkungsstätte und anderes gezeigt hast. Die anderen Urlaube waren alle irgendwann vorbei. Tansania ist jetzt, nach einem halben Jahr noch in mir, wenn alles zu viel wird, denke ich "pole pole " und es geht mir wieder besser. Ich beneide deine Erfahrung aber garantiert nicht deinen Abschied.

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